innobox auf der SmashingConf NewYork 2016

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Es war bunt, laut und inspirierend!

Die SmashingConf hatten wir schon seit längerem auf unserer Wunschliste, was internationale Konferenzen angeht. Organisiert wird die Tech-Konferenz von den Machern des SmashingMagazine. Vielen Lesern wird dieser Name sicher etwas sagen – wer es nicht kennt, einfach mal reinschauen. Es handelt sich um eine Mischung aus Blog und Tech-Magazin mit Themenbereichen wie Coding, Design, Mobile und UX-Design. An diesen Themen orientiert sich auch die Konferenz. Und genau diese Mischung aus „Full-Stack“-Themen macht die Konferenz für mich so spannend. Es geht vor allem darum, neue Inspirationen und Erfahrungswerte mitzunehmen, die für mich einen höheren Wert haben, als reines Fachwissen. Wem es darum geht, diese Fachwissen aufzubauen, der sollte sich dies besser über Fachliteratur, Podcasts, persönliche Mentoren oder „learning-by-doing“ aneignen.

Ideale Themen einer Konferenz sind die, die für mich fachliches Neuland bedeuten und aus denen ich neue Ideen entwickeln oder diese auf meine Branche oder auf mein Fachgebiet transportieren kann. Nicht zuletzt bedeutet der Besuch einer guten Konferenz in vielen Fällen auch einen starken Motivations-Schub. Wie lange dieser Schub „nachbrennt“, hängt ein wenig davon ab, ob die angesprochenen Themen in einer Handlung enden und auch etwas von dem Gehörten in die Tat umgesetzt und „verarbeitet“ wird.

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Der Konferenz-Ort waren die New World Stages, mitten in Manhattan im Broadway-District gelegen. Ein Theater, das sehr modern und geschmackvoll eingerichtet ist (das Bühnenbild war schon ein Erlebnis mit seiner imitierten Hinterhof-Hausfassade im trashigen Brooklyn-Stil).

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Auf der SmashingConf tummelte sich ein sehr buntes, kreatives, internationales und altersübergreifendes Publikum. Genauso verhielt es sich bei den Rednern: von blutjung bis hin zu reif und erfahren. Allerdings allesamt Spezialisten auf Ihrem jeweiligen Gebiet.

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Besonders beeindruckend war der Themen-Mix. Von Technologie bis Kunst. Zentrum war allerdings dabei immer das Thema Web.

Seb Lester

Fasziniert hat mich ein Vortrag von Seb Lester, dem Künstler und Designer, der durch seine Facebook-Videos bekannt wurde, in denen er die Logos bekannter Marken freihand erstellt. Hier ein Beispiel:

Der Brite hat mit seinem trockenen Humor von den Höhen und Tiefen seiner beruflichen Laufbahn erzählt: in einem Interview beantwortet er vor einigen Jahren die Frage, welchen Auftrag er sich eines Tages wünschen würde.  Es sagte, Sein Traum wäre es, ein Logo für ein Raumschiff zu entwickeln. Schmunzeln im Publikum. Einige Zeit später erhielt er dann den Anruf eines NASA-Mitarbeiters, der ihm mitteilte, dass er sein Interview gelesen hätte und einen Designer sucht, der Logos und Branding für eine Satelliten-Mission der NASA entwickeln würde. Seb Lester war dann erst einmal sprachlos und geschockt aber nahm sofort an. Jetzt kam der schwierigste Teil, den Seb Lester sehr humorvoll und unter vielen Lachern aus dem Publikum preisgab: „Verdammt nochmal, wie zum Geier  soll ich denn für diesen Auftrag einen Preis festlegen“? Er frage sofort einen engen Freund, der ihm kurze Zeit später mit einem einzigen Satz in einer E-Mail antwortet: „Du willst mich wohl auf den Arm nehmen!“ (das Original war eine Spur derber). Selb Lesters Vortrag bliebt auch im Nachhinein am meisten hängen. Warum? Ganz einfach: er war authentisch und hatte eine Geschichte zu erzählen.

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Phil Hanksworth

Endlich das Thema Web-Technologien. Phil erzählt bei diesem Vortrag über die Symbiose von dynamischen und statischen Inhalten und deren Deployment im Web. Ein sehr spannender, technischer aber auch wertvoller Vortrag, der mit vielen Erfahrungswerten angereichert ist. Das gute dabei: er bringt es auch noch unterhaltsam rüber. Klasse, wie wir finden. Angesprochen werden die Probleme, hoch frequentierter Inhalte, die in vielen Fällen dynamisch erzeugt werden aber nur wenigen Änderungen unterliegen. Es geht häufig auch darum, externe Systeme einzubringen, wie beispielsweise ein ContentManagement-System. Dies dann allerdings extern via API genutzt. Ein solches CMS ist beispielsweise Contentful. Dessen Einsatz haben wir bei innobox auch bereits angedacht. Viele weitere Tipps aus seiner Projekterfahrung liefert er aus dem Bereich Deployment. Insgesamt ein sehr gelungener Vortrag mit viel neuem Input.

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Stacey Mulcahy

Was diese Frau macht? Schwer zu sagen. Sie ist eine Kreuzung aus einem verrückten aber kreativen, technik-verliebten Spiel-Junkie. Ihr offizieller Job-Titel ist „senior technical evangelist with Microsoft“. Sie ist sozusagen das Experimentier-Labor von MicroSoft. In ihrem Vortrag veranschaulicht sie es, indem sie viele Videos, Fotos und Beispiele aus ihrem Arbeitsalltag zeigt. Vor allem ist es ihre Aufgabe, neue Ideen zu entwickeln, die irgendwann einmal das Zeug zur neuen Geschäfts- bzw. Produktidee bei MicroSoft haben könnten. Sie experimentiert, lötet, programmiert, schraubt, spielt herum und probiert aus. Man spürt regelrecht ihre Leidenschaft für diese Dinge. Ein toller Vortrag zum Thema IoT und welche Voraussetzungen brauche ich, um „richtig“ zu experimentieren.

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Kate Kiefer Lee

Kate ist bei Mailchimp für Texte zuständig. In Ihrem Vortrag erklärt sie, wie immens wichtig es ist, schreiben zu lernen und dieses Handwerk zu beherrschen. Gerade im unternehmerischen Umfeld enorm wichtig. Aber eben nicht nur dort. Geschrieben werden muss überall. Egal, ob ich eine Email-Schreibe oder nur einen kurzen Twitter-Feed. Jeder von uns schreibt tagtäglich. Und das sollte geübt sein. Für Mailchimp hat Sie ein Writing-Guide entwickelt, der die unternehmens-internen Schreib-Regeln definiert (Tonalität, Stimme des Unternehmens, Wort-Regeln). Dieser Vortrag motivierte mich ungemein, selbst wieder aktiver zu werden, was das Schreiben angeht. Hier geht es zum Writing Style Guide.

Weitere Speaker

Alle Vorträge im Detail beschreiben, würde diesen Blog-Eintrag sprengen. Daher hier noch ein paar Stichpunkte zu den anderen Speakern:

  • Josh Clark über das „Physical Interface“. Wo geht die Reise in Sachen IoT hin? Was gibt es bereits und was ist in Zukunft denkbar.
  • Aaron Gustafson über Formular-Konzepte in HTML. Er zeigte klare Handlungsempfehlungen auf, welche HTML-Tags sinnvoll sind, wie die Strukturierung aufgebaut sein sollte und welche HTML5-spezifischen Tags, Attribute oder Typen beim Aufbau von Formularen wichtig sind. Außerdem zeigte er, wie mit einfachen Mitteln und browserhersteller-übergreifend auch für Screenreader entwickelt werden kann.
  • Glen Maddern ist der Erfinder der CSS-Components, mit deren Hilfe CSS-Komponenten regulär in CSS benannt und definiert werden – via Compiler dann aber mittels Namensschema völlig unabhängig von anderen Komponenten im resultierenden CSS bereitgestellt werden (mit eindeutigen Klassennamen oder IDs). Durch dieses Konzept werden häufige Probleme umgangen, die in der Regel durch Mehrfachvererbung- und -verwendung entstehen.

Konferenz-Fazit

Wir waren sehr positiv von dieser Konferenz überrascht. Ein Tapetenwechsel und die Möglichkeit, aus seinem Hamsterrad auszusteigen, um möglicherweise eigene neue Ideen zu entwickeln. Außerdem eine gute Inspirationsquelle und eine echte Alternative zu vielen anderen großen Konferenzen. Gerade die Größe der Konferenz hat mir sehr gefallen. Nur ca. 500 Teilnehmer und ein sehr sympathisches Organisations-Team. Wir werden sicher wiederkommen. Vorerst steht allerdings die web summit in Lissabon im November 2016 an. Wir sind gespannt.

Details für New York- oder Konferenz-Interessierte

Die Reise nach New York ist kein Problem, auch für kurze Aufenthalte. Konferenz-Dauer: 2 Tage – zusätzlich ein Tag Workshops, die im Vorfeld stattfanden. Gesamtaufenthalt: 4 Tage. Der Flug ist mit den CityHoppern über Amsterdam relativ kurzweilig (hin: knapp 8 Stunden, zurück: knapp sieben Stunden). Und lohnenswert ist diese Stadt im Zuge eines Konferenz-Besuchs allemal. Natürlich hat die Stadt mit Ihrer Anziehungskraft auch vor uns keinen Halt gemacht und der Klick zur Bestellung war keine allzu große Hürde mehr 😉

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Die Kosten hielten sich in Grenzen. Ich gebe zu, das ist eine sehr subjektive Angelegenheit – aber wenn man genau hinschaut, kann man einiges an Kosten einsparen. Die Tickets habe ich beispielsweise als „two-for-one“ gekauft, es muss eben nur innerhalb des early-bird-Zeitraums geschehen. Übernachtung und Unterkunft via airbnb. Unser Appartement lag direkt in Manhattan.

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Im Vergleich zum Hotel haben wir hier tatsächlich nur knapp den halben Preis für die drei Übernachtungen gezahlt. Kosten und Logie: Auf der Konferenz gibt es ein kleines Frühstück und zwischendurch immer mal Joghurts mit verschiedenen Müslis, frisches Obst, Kekse, Chips, Kaffe und Wasser. Das Frühstück sollte man hier nicht zu hoch bewerten. In der Regel haben wir früh morgens auf unserem einstündigen Walk in Richtung Konferenz-Ort (New World Stages) einen handgemachten Capucino aus einem der zahlreichen extrem guten Espresso-Bars mitgenommen.

Was haben wir außerhalb der SmashingConf gesehen?

NewYork ist einfach nur groß. Man muss schon viel Zeit mitbringen, um die Stadt mit all Ihren Facetten erleben zu können. Es gibt eine riesige Anzahl an klassichen Sightseeing-Hotspots. Aber die echten Perlen lauern in den Seitenstraßen und werden eher beim Umherschlendern entdeckt. Wir haben unsere 4 Tage maximal ausgeschöpft. Vor und nach den Vorträgen sind wir gelaufen, gelaufen, gelaufen. 70km sind wir so zu Fuß durch Manhatten, Brooklyn, Williamsburg und Bushwick gegangen. Diese Art der Fortbewegung kann ich jedem nur ans Herz legen. Beim Laufen sieht man einfach am Meisten. Besonders schön waren dabei der Gang durch Manhattan selbst, mit seinen vielen wiederhallenden Sirenen von NYPD, FDNY und Co. Mit seinen unbeschreiblichen Woklenkrazern (TheRock besuchen ist ein Muss).

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Außerdem der Central Park sowie Little Italy und Chinatown. Das Schlendern durch Bushwick mit seinen vielen coolen Cafes, Restaurants (jamaikanisch gefällig?), Künstlern und Graffitis. Extrem beeindruckend ist auch der Fußmarsch über eine der Brücken von Brooklyn nach Manhattan (Brooklyn Bridge oder Williamsburg Bridge) mit Blick auf Manhattan, Freiheitsstatue und East River.

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Weitere Konferenzen in diesem Jahr!

Wer Interesse an der SmashingConf hat: 2016 finden noch zwei weitere Konferenzen in Deutschland und in Barcelona statt. Es lohnt sich! Und nein, wir erhalten keinerlei Provision vom Veranstalter 😉

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